die re:publica 09 ist nun vorbei und die stimmen im netz laut und böse nachhallend. die technik funktionierte meist nicht, der zeitplan ebenso. viel zeit wurde für uninteressantes verschenkt und keiner war so recht glücklich. eine erfolgreiche veranstaltung sieht anders aus.
mit obigem absatz lässt sich wohl leider die rp09 am besten umschreiben. viele nörgelende stimmen, wie auch die netzeitung resümiert. dort findet ihr auch viele weiterführende links zu anderen bloggern und netzmenschen, die sich ebenfalls wenig wohlwollend äußern.
mängel an allen fronten
ich bemängelte meinerseits auch schon vieles, fasse es nochmals zusammen: die bloggerkonferenz war gewachsen, zu groß — aber erwachsen ist sie noch lange nicht. meine vermutung, dass die ausdehnung und damit auch die erweiterung des publikumskontigent eher negative effekte mit sich bringt, wurde leider bestätigt. im endeffekt habe ich mich sicherlich mit weniger leuten unterhalten als letztes jahr, obwohl ja nun sicherlich mehr als doppelt so viele anwesend waren. aber masse ist halt nicht gleich klasse.
auch hoffte ich inständig, dass im vergleich zum vorjahr die organisation des dreitägigen events besser ablaufen würde, aber auch dies war nicht der fall. die technischen hürden schienen nun noch unüberwindbarer als zuvor. eine bloggerkonferenz, auf der die blogger gar kaum die möglichkeit nutzen konnten, online zu berichten und zu partizipieren, kann nicht als bloggerkonferenz gelten. auch sonst lief alles so ab, als sei es eine klassische, altmodische veranstaltung. an manchen stellen zu steril und steif, die coolness und lockerheit war allenfalls im publikum zu spüren, und auch dort nur verhalten. auf den podien und vorträgen selbst ging es eher wie im fernsehen zu, und genau da hätte ich es mir eventuell noch angeschaut, denn rundfunkgebühren wären billiger gewesen als ein ticket. und bequemer wäre es dazu. auch tim pritlove hatte 2008 nicht viel gutes hierzu zu sagen — der vergleich mit rp08 passt schon irgendwie, wobei mir letztes jahr die veranstaltung wesentlich besser zusagte.[01]
bekannte und beschissene
interessant war meines erachtens auch, dass viele der bekannten “größen” (so sie denn benannt werden können) deutscher bloglandschaft kaum merklich präsent waren, ja selbst nicht einmal eigene vorträge lieferten, sondern nur in podien oder spaßveranstaltungen anzutreffen waren (sowohl twitterlesung als auch die lobosche followerparty habe ich nicht besucht). ein herr basic frotzelte nur noch rum[02], bekam auch teilweise applaus, denn wohl den wenigsten fiel wohl auf, dass er auf uns alle schiss. auf uns alle, die wir auf der bühne oder im publikum saßen. so war er wohl auch nur an einem einzigen tag anzutreffen und ward nie wieder gesehen. mir ist es mittlerweile auch scheiß egal, denn seine blütezeit ist auch vorbei.
egal sein sollten derlei von bloggern und medien hochgehobene pseudogötter auch den anderen besuchern. jeder konnte sich nun ein bild von diesen menschen machen, deren habitus einer diva oder eines hollywood-schauspielers glich. nur die wenigsten waren dem gemeinen volke nah.
weiterhin bemerkenswert war vielleicht auch, dass die klüngelei, die einjeder vom schulhof kennt, im alter wohl nicht nachlässt. und solche geschlossenen kreise ermöglichen es auch kaum einem außenstehenden kontakt zu einem in dem kreis aufzubauen. okay, vielleicht mal die poken in die runde schmeißen[03], vielleicht aber aus frust dem hochmut gegenüber einfach eine bombe. das resultat bliebe wohl gleich.
i18n – guest stars from anywhere
viele internationale gäste waren geladen. die wenigsten werden aber tatsächlich mit den reden und vorträgen was anfangen können, da vieles dem deutschsprachigen blogger nicht nahe ging. auch ein jimbo wales von wikipedia und wikia konnte nicht begeistern, da sein vortrag an ein falsches publikum gerichtet war. es kam häufiger die frage auf, ob ihm eigentlich jemand gesagt hätte, vor welchem typus netzmensch er da spricht.
die weiteren internationalen gäste, die ich mitbekommen habe, rissen mich auch nicht gerade vom hocker. der hypemachinist tat mir nicht wirklich leid, denn so langweilig und monoton, wie der vortrag rüberkam, habe ich nichts verstanden. meine sitznachbarn wussten auch nicht so recht, worüber der gute mann sprach. inhaltlich war ohnehin bei fast allen vortragenden kaum weltbewegendes drin. von den diskussionsrunden mal ganz abgesehen.
wir diskutieren nicht, wir maulen einfach mal
so konnte man jedenfalls das panel zum status quo der blogs in deutschland verstehen. auch herr endl bemängelt so einiges an dieser runde. zu roberts auftritt hatte ich mich ja weiter oben schon geäußert, da gibt es nichts mehr hinzuzufügen. ich habe mir auch mal eben die blogoscoop-zahlen zu seinem alten und neuen blog angeschaut. während die neuen basicthinking-leutz auch mit einem sehr leichten abstieg klarkommen müssen[04] — der hype ist nun doch einmal vorbei und die neubesucher wandern wieder ab –, ist auch bei robertbasic.de nicht wirklich die hölle los, viel weniger besucher als früher und zahlen weiter rückläufig.[05] ob er so noch vom bloggen allein leben kann, ist also fraglich. ich sehe die schlüsselfigur nur noch als dschungelcamp-versager. der vergleich muss mir nicht einmal verziehen werden. der enttäuschung muss auch einmal luft gemacht werden.
positiv? negativ!
okay, ganz stimmt die teilüberschrift nicht. negatives gab es bis hierhin auch genug. doch die wenigen positiven seiten … nunja, diese ereignisse finden dann in separaten beiträgen platz, aber hier wirken sie vielleicht nur noch komisch oder befremdlich.
ich weiß nicht, woran es lag, was schief gelaufen ist, ob’s am wetter lag oder warum auch immer. ich weiß nicht, ob mir markus[06] und johnny leid tun sollen, oder ihnen eine gewisse unfähigkeit vorwerfen sollte. ich weiß nicht, wie die zukunft für die re:publica aussieht. aber shiften muss sich auf jeden fall etwas.
andere erwähnten es schon, ich wiederhole:
es ist schön, dass es eine bloggerkonferenz gibt — nur wofür?
fußnoten:
- dieses jahr schwieg er sich ganz aus, ob das ein gutes oder schlechtes zeichen ist …? [↩]
- konstruktiv ist anders, vielleicht ist er auch nur angekotzt vom miesen erlös des blogverkaufs; [link] zum aktuellen blog. [↩]
- ich hab übrigens den poken-verkäufer wohl verpasst oder bin einfach immer an dem stand blindlings vorbei gerannt; scheint aber auf alle fälle geek-spielzeug zu sein. [↩]
- bs-stats:basicthinking-blog [↩]
- bs-stats:robertbasic.de [↩]
- schreibt auch auf netzpolitik.org [↩]


Reaktionen:
Hm, da nimmst Du die Veranstaltung deutlich negativer wahr, als ich, obwohl ich einige Deiner Punkte nachvollziehen kann. Auch ich hatte damit gerechnet, mit mehr Menschen in Kontakt zu kommen, und das fehlende WLAN war ein grosser Downer. Aber insgesamt fand ich die Stimmung schon sehr angenehm, und gerade die Panels als letzten Tag waren durchgehend spannend (aber auch am ersten und zweiten gab es sehr interessantes)
ich glaube, die unterschiedliche wahrnehmung liegt auch daran, dass wir mit verschiedenen voraussetzungen an die diesjährige re:publica gegangen sind. ich kann zwar leider nicht mit der 2007er vergleichen, aber gut mit der des jahres 2008. vielleicht haben wir auch einfach andere erwartungshaltungen zu diesem event.
und ich denke, dass das negative, was hier geschildert wurde, noch recht human ausgedrückt war, auf einigen blogs las ich härtere worte.
desweiteren: es war wie gesagt nicht alles negativ. aber die positiven seiten sollten dann doch in eigenen artikeln gewürdigt werden, damit der fade beigeschmack nicht immer so durchscheint.
Konferenzen laufen oft Gefahr, zur Selbstbeweihung zu werden. Meine erste und letzte rep. vor zwei Jahren empfand ich schon so, wie die, die Du hier beschrieben hast: Möchtergern-”A”Blogger, merkwürdig organisierte “Diskussionen”, wenig wirklich wichtige Themen – für 2010 muss sich doch einiges ändern…
zumal nach drei jahren doch einiges bei den veranstaltern angekommen sein muss. die erste konferenz kannte ich nicht, die zweite möchte ich dann einfach mal auf wiederholungsfehler zurückführen, die dritte aber hätte wesentlich besser sein müssen.
wie soll das motto für 2010 lauten? “aller guten dinge sind vier…”?