Heute einmal fernab von der eingeengten Blogosphäre, die auszusterben droht, da soziale Netzwerke, Google Wave und Twitter ohnehin uns Bloggern das Wasser abgraben, und auf der anderen Seite stehen die Journalisten und werfen mit Farbbeuteln oder Watte-Bällchen, weil … nunja, diese Diskussion würde zu weit führen und gehört in 100 Jahren in die Philosophenschule, natürlich nur um kleine Schüler auch den letzten Nerv zu rauben.
Aber eigentlich wollte ich ja ganz woanders hin. Denn durch eine Welle im Sandkasten Google Wave — zu dem ich seit heut morgen Zugang habe — wurde ich auf etwas aufmerksam gemacht, das mir als biologischer Mann, wohl Natur gegeben, entgehen musste. Es gibt doch tatsächlich einen Frauenbrowser! Ja wohl, geneigter Blogleser, richtig gelesen: ein Browser für Frauen.
Natürlich wurde in der Wave auch ein Link mitgegeben, zu einem Artikel, auf der auch die URL geschrieben (aber nicht verlinkt!) wurde; so wollte ich mir doch gleich die Seite anschauen, die das geschlechtsspezifische Produkt anpreisen sollte .. und siehe da, es gibt wohl auch schon eine Geschlechtserkennung auf den Webservern:

Hm, also nicht einfach nur für Frauen, sondern definitiv nicht auch für Männer? Oder was hat das zu bedeuten?
Nunja, der Link konnte auch etwas falsch sein, also surfte ich die Startseite an und suchte nach “IE8″ (spart Buchstaben, obwohl “Frauenbrowser” sicher das Suchwort der Wahl sein muss). Schnell fand ich die richtige Zielseite und las und staunte und las die Kommentare und staunte noch mehr.
Nicht nur, dass Frauen offensichtlich von sich aus gar keinen “eigenen” Browser wollen oder wünschen, sondern gar regelrecht dagegen wettern oder parodistisch auch die Männervariante herbei imaginieren. Angeblich bevorzugen Frauen nebenbei auch lieber den Mac, statt den PC — was verwundert, denn der Artikel selbst liest sich doch mehr wie ein bezahlter Beitrag von Microsoft, die ja nun kaum merklich überall auch Werbung für Windows 7 machen.
Auch werden Web Slices als der letzte heiße Scheiß angepriesen. Natürlich kenne ich dieses Feature nicht, denn ich nutze schon seit Jahren alles andere als den Internet Explorer. Ja eher noch teste ich sämtliche anderen Browser wie Google Chrome (oder die etwas kommunikationssparsamere Variante Iron), Firefox, Safari oder Opera. Und die meisten lassen sich mehr oder minder ebenfalls so weit individualisieren, dass sowohl Frau als auch Mann als auch jegliches andere Geschlecht damit warm wird und arbeiten kann. Und das alles ohne ein festgelegtes Label.
Achja, ich habe den Internet Explorer dennoch drauf, weil ich ja immer mal das eine oder andere Layout dennoch auch auf diesem Browser teste. Ob ich mir jetzt aber den Frauenbrowser auch noch installieren muss, weil der ja vielleicht das Internet auch anders anzeigt als alle anderen … ich weiß nicht, ab einem gewissen Punkt wird auch mir alles mal zu viel.
Abschließender Hinweis (kein Disclaimer und auch kein Disclosure): Wie unschwer aus dem Artikel hervorgeht, ist der Autor ein bekennender Nichtfreund des Internet Explorers. Er will damit keineswegs die Arbeit des Hauses Microsoft grundsätzlich schmälern, ihren wirtschaftlichen Erfolg sowieso nicht (es ist nur der Neid, nicht selbst seit Anbeginn Aktionär gewesen zu sein). Jede/r möge sich selbt ein Bild machen und urteilen, was für ihn oder sie das richtige Instrument im Internet ist. Der Autor wollte nur feststellen, dass man es mit so mancher Entwicklung aber auch übertreiben kann und damit weit über das Ziel des Zumutbaren hinausschießen kann. Zum schweizer Onlinemagazin annabelle.ch kann der Autor gar kein Urteil geben, daher bleibt das Verhalten der Redaktion hier weitesgehend unreflektiert.
Hier kann sich jeder Interessierte selbst das Glanzstück anschauen: annabelle.ch Frauenbrowser — ja, ich weiß, dass ich damit die Seite pushe, aber soviel Spaß muss auch beim Google Ranking gewürdigt werden. ;o)



Eine Reaktion:
Nee, ne? Klischee hoch zehn. Da ich wohl einfach nicht geschlechtsrollenklischeekompatibel bin (und stolz drauf), verdient es dieses Projekt, von mir ignoriert zu werden, was ich ja ohnehin tun würde: Mein Interesse an Mode, Shopping und Reisen z.B. geht, so vorhanden, definitiv andere Wege als die, die einer von Frauenzeitschriften nahegelegt werden. (Reisen kann halt auch heißen: Ich gondele mit Regionalzügen durchs Land und hänge am Zielort mit guten Freunden in der Pampa rum.)
Achja, ich frag mich ja auch, was an technischen Dingen denn so inhärent männlich oder (un)weiblich sein sollte… funktioniert Programmieren oder CSS-Schubsen erst ab einem bestimmten Testosteronspiegel im Blut?
Den IE meide ich ja auch, wo es geht. Wenn ich da von Projekten lese, die proprietäre Techniken wieder einsetzen wollen, denke ich mir: oh nein, bitte nicht zurück in die dunklen Zeiten der Browserweichen…
Meine 5 Cent.