Auf bloxxo wird gerade über Nischen- und Allgemeinblogs philosophiert. Ich nehme mich als Bloghandwerker mal ebenso der Thematik an und beleuchte dabei das Bloggen über ein Blogsystem: WordPress.

Symbolbild: “Nautische Nische” — Und in welche Ecke des Meeres verkriechst du dich so?
Nun kann sich der geneigte Leser oder die geneigte Leserin fragen, ob denn in der heutigen Zeit das Thema WordPress wirklich noch als Nische zählt. Unberechtigt ist die Frage sicher nicht. Und aus meiner Sicht stellt sich die Situation eigentlich noch schlimmer dar, denn das Bloggen über das Bloggen ist nicht nur keine Nische mehr, das Selbstreferenzielle an dieser Sache könnte dem einen oder der anderen schon lange auf den Geist gehen. Meinen Werdegang im Netz und den dabei gemachten Erfahrungen in Bezug zum Bloggen werde ich aber später erst zum Besten geben.
WordPress. Nische. Hmmm. Ja was ist denn nun so besonders, dass sich damit Leutz wie meiner einer damit beschäftigen?
Ganz einfach, die Popularität des Systems kommt sicher nicht von ungefähr. Es ist ja ziemlich einfach zu installieren und mittlerweile auch zu warten, lässt aber den findigen Benutzer viel Spielraum, das Blog stetig nach seinen Wünschen zu formen und zu erweitern.
WordPress wird teilweise sogar als Klein-CMS im unternehmerischen Kreise eingesetzt, weil Datenkraken wie z. B. Typo3 hierbei ganz einfach zu aufgedunsen sind.
Was also in den 90ern die gute alte und statische Homepage[01] war und mit viel Liebe und Schweiß in mühevoller Handarbeit zusammengeschustert wurde[02], ersetzt nun ein dynamisches System, welches definitiv leichter zu pflegen ist. Außerdem schreibt man nun nicht einfach mehr ins Internet, man bloggt! Lange Zeit galt das Bloggen als cool, war nur was für Nerds und Geeks, und nicht jeder konnte diesen Komfort nutzen (weil zu teuer zwecks tauglichem Webspace).
Früher, ja früher waren die Seiten im WWW echt noch sehr individuell, so schön und einzigartig … okay, das schön streichen wir lieber. Aber heute sind die Masse der Blogs allein vom Aussehen her sehr langweilig. Warum denn eigentlich?
WordPress ist sicher zu einem gewissen Anteil mitschuld an der Optikwüste: es gibt nur zwei Standard-Themes, die sich jeder schon übersehen hat. Und auch die ganzen Themepools sind so strukturiert, dass die beliebtesten Designs auch noch weiter gepusht werden, da sie grundsätzlich in den Listen weit vorne geführt werden.
Schuld ist WordPress, nein, sind alle Blogsysteme und andere CMS daran, weil niemand mehr wirklich lernen muss, was es heisst, einen kompletten Webauftritt von Anfang bis Ende durchzuplanen und umzusetzen.
Aber ich schweife etwas ab, ich wollte mich ja auf WordPress fokussieren.
WordPress als Schreibthema allein find ich ohnehin schon sehr bemerkenswert. Mir ist vorher nie bewusst geworden, das jemals Menschen in der Masse nur rund um ein einziges Werkzeug palavert haben wie heute. Aber es bietet ja auch immer Stoff!
Und warum ist es dennoch eine Nische? Weil sich eigentlich nur jene Menschen mit WordPress beschäftigen, die technisch versiert sind, die gerne programmieren und entwickeln, oder die Spaß am designen und layouten haben.
So gibt es zig tausende Seiten und Blogs — logisch, dass ein WordPress-Interessierter mehrheitlich auch WordPress als Basissystem nutzt –, die sich mit WordPress, Plugins, Themes, Entwicklungen und Geschichten wie auch Neuigkeiten aus dem WP-Universum beschäftigen. Tausende … das klingt viel, ist aber verglichen mit der Anzahl an Websites im Internet wieder verschwindend gering.
Was ist der Vorteil an der Nische WordPress?
Es ist beliebt und weit verbreitet, es gibt viele Nutzer, viele Anhänger, und man kann gut als Infoquelle für jene dienen, die eine Frage oder ein Problem haben. Wer mit Tipps, Tricks und sonstigen Kniffen aufwarten kann, hat schon fast gewonnen, denn Besucher wird er oder sie damit immer generieren. Ein Stein im Brett des Geholfenen hat er oder sie auf alle Fälle.
Marketing dagegen ist etwas schwierig, das Thema lässt sich schlecht monetarisieren, wenn man nicht selbst etwas Kommerzielles anbietet (wie z. B. kostenpflichtige Plugins, Themes oder Dienstleistungen). Werbung sehe ich hier eher weniger als Möglichkeit, wer will denn schon im Kontext eines Open Source-Projektes werben? Womit? Okay, Webhoster vielleicht, aber das ist es sicher auf Dauer nicht. Wenn ich mich im Blogumfeld so umschaue und nicht nur WordPress, sondern das Blogen als Oberthema betrachte, sehe ich eher Linktausch und Partnerschaften, die aber gewiss kein Geld bringen. Leser sicher auch nicht wirklich — Besucher sind nicht gleich Leser! Ein Klick auf die eigene Seite ist zwar toll in den Statistiken, aber ein echter und ernst gemeinter Kommentar ist meines Erachtens viel mehr wert, auf jeden Fall fürs Ego.
Das waren dann auch gleich die Nachteile. Ein weiterer ist, wie auf bloxxo bereits für Nischen allgemein erwähnt, das repitive Element: zwangsläufig wird sich ein über WordPress Bloggender wiederholen, andere gleichen Schlages wiederkäuen, nacherzählen, kurz: es gibt nix Neues im Westen … ähm … im WordPressten!
Neuen Stoff bieten eigentlich nur die Entwickler von WordPress, wenn wieder eine neue Version ansteht, wenn es Features gibt, oder auch Bugs, wenn etwas verändert wurde, was gut oder auch schlecht sein kann. Aber man ist abhängig.
Das wird sicherlich für viele Nischen gelten, aber ich denke für WordPress im besonderen Maße.
Mein persönliches Fazit: Man kann zwar ausschließlich über WordPress bloggen, aber auf lange Sicht wird man selbst sicher nicht glücklich damit. Es sei denn, man entwickelt selbst direkt am System mit. Doch das werden wohl die wenigsten von uns tun (wollen).
Die Metaebene Bloggen ist nebenei auch ein Thema, welches schnell ausgelutscht werden kann. Ich sehe im Umfeld nur noch viele, die das Bloggen als Gelddruckmaschinerie sehen. Ich bin der Meinung, das war damals mit den statischen Websites nicht ganz so, oder zumindest nicht so schlimm und nicht so verbreitet.
Ich finde es ehrlich gesagt auch schade, dass es sich so entwickelt hat und dass es auch kaum noch aufrichtige Blogging-Blogger gibt, die Inhalte kommunizieren wollen, wo es nicht gleich ums Geld-Machen geht. Ich will damit niemand absprechen, dass er oder sie nicht das eigene Projekt finanzieren soll. Aber die Leserschaft soll nicht gleich den Eindruck vermittelt bekommen, dass Bloggen nur allein dafür gemacht und gut sein soll.[03]
Doch mit dieser metaphysichen Ebene werde ich, wie oben schon erwähnt, mich ohnehin noch einmal separat beschäftigen.
Und die Frage, ob Nischenblogs besser sind als die Wald-und-Wiesen-Tagebuch-Katzenconten-Gedankenmüllhalden-Blogs, lässt sich abschließend nicht eindeutig beantworten. Auch nicht am Beispiel WordPress, wie ich finde.
::via bloxxo

Eine Reaktion:
ich würde nicht von schuld reden, nur weil es funktioniert
beziehungsweise ankommt. alte kommunikationsmedien haben immer die
alten ersetzt oder erweitert. man denke an den telegraphen oder das
radio oder brettspiele. und genau wie letzteres wird es auch
weiterhin die anheimelichen html-seiten geben…